In der gestrigen Maybrit-Illner-Sendung trat der deutschtürkische Unternehmer und Kabarettist Alparslan Marx mit der Feststellung hervor, die Integration sei gescheitert, eine Vereinigung der in Deutschland lebenden Menschen sei nötig und hierzu müsse zu allererst die Religion – aus dem öffentlichen Raum – verschwinden. Er sei als laizistischer Türke erzogen worden und kenne das gar nicht anders.
Hier offenbart sich eine Geisteshaltung, die auch der anwesende Islamkritiker Hendrik Broder sowie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, vertreten. Religion sei Privatsache und habe im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Religion, das ist etwas für das stille Kämmerlein, das man heimlich, still und leise macht und über das man auch nicht spricht. Irgendwie ist Religion etwas unanständiges.
Doch ist die Forderung des Laizismus grundfalsch, eine Fiktion. Religion – das ist nicht einfach etwas Meditation hier, etwas Gebet da, Wohltätigkeit überall. Religion betrifft die Grundannahmen über die Wirklichkeit, über das was gut und schön ist. Religion prägt unsere Moralvorstellungen und damit unser Handeln – auch und gerade im öffentlichen Raum. Die Forderung nach dem Rückzug der Religion, gemeint ist die Religion mit einem transzendenten Bezug, aus dem öffentlichen Raum, ist gleichbedeutend mit der Forderung nach der Unterwerfung unter die den öffentlichen Raum dann allein erfüllende säkularistische, also immanente, Weltdeutung. Letztlich versteckt sich hinter dieser laizistischen Forderung der Absolutheitsanspruch des Materialismus. Nach diesem ist nur wirklich, was empirisch “bewiesen” werden kann – und dies obwohl empirisch nichts bewiesen, sondern höchstens etwas widerlegt werden kann. Und gut ist nur, was in dieser materiellen Welt nützlich ist.
Da dieser Materialismus im Selbstverständnis seiner Anhänger aber für Fortschritt, Moderne und Vernunft steht, ist dieser Absolutheitsanspruch in ihren Augen gerechtfertigt. Widerspruch gegen das materialistische Moralverständnis ist Widerstand gegen den Fortschritt und die Vernunft und deshalb nicht zu dulden. Für die Nichtgläubigen ist es dagegen nichts anderes als der Anspruch einer totalitären Religion, die Pluralität nur insoweit duldet, wie sie sich in ihr übergeordnetes System einordnen lässt. Laizismus bedeutet, den Materialismus zur Staatsreligion zu erheben. Er ist in diesem Sinne in keiner Weise besser als der Islam, der das selb für sich fordert. Aus diesem Grund müssen die Verfechter der Religionsfreiheit antilaizistisch sein, wie sie auch den Absolutheitsanspruch jeder anderen Religion zurückweisen müssen.
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